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Der Artikel 6 des Grundgesetz für die Bundes-republik Deutschland

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

Lehrplan Sexualerziehung in Hessen

Im Oktober 2016 beauftragte der Vorstand der Johannesgemeinde Gießen ihren Vorsitzenden und Pfarrer damit, eine zuvor beratene Stellungnahme zur Diskussion über den in Kraft gesetzten neuen Lehrplan zur Sexualerziehung in Hessen zu schreiben. 

 

Kirchenpräsident
Pfarrer Dr. Dr. h. c. Volker Jung
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau  
Paulusplatz 6
4285 Darmstadt

Neuer hessischer Lehrplan  zur Sexualerziehung

Sehr geehrter Herr Kirchenpräsident Jung,
aufgrund von Rückfragen aus unserer Gemeinde hat sich der Vorstand der Johannesgemeinde Gießen in seiner Sitzung vom 12. Oktober 2016 mit der aktuellen Diskussion zum neuen hessischen Lehrplan zur Sexualerziehung beschäftigt. Per Beschluss wurden wir - als die beiden Vorsitzenden - damit beauftragt,   Ihnen eine Stellungnahme hierzu zu übermitteln, wie folgt:

„Der Kirchenvorstand der Ev. Johannesgemeinde kritisiert, dass von Seiten   der EKHN eine Zustimmung zu dem Lehrplan „Sexualkunde“ erfolgte, ohne dass die Gemeinden hierzu gehört wurden. Wir sind der Auffassung, dass eine solche wesentliche Entscheidung, die kirchlich sehr unterschiedlich und zum Teil kontrovers diskutiert wird, nicht ad hoc von einem Beauftragten und ohne innerkirchliche Öffentlichkeit getroffen werden kann.  

Von daher steht der Vorstand der Evangelischen Johannesgemeinde Gießen nicht hinter der Zustimmung der EKHN zum hessischen Lehrplan Sexualkunde. In diesem Zusammenhang verweisen wir auch unsere Stellungnahme zum Familienpapier der EKD aus dem Oktober 2013, die Ihnen vorliegt.“

Mit freundlichen Grüßen
Ihre 

Gottfried Cramer  /  Pfr. Michael Paul

Antwort der Kirchenleitung

Familie stärken!

Im Oktober 2013 beauftragte der Vorstand der Johannesgemeinde Gießen ihren Vorsitzenden und Pfarrer damit, eine zuvor beratene Stellungnahme zur Diskussion des heutigen Familienbildes an die Evangelische Kirche Deutschlands abzugeben.

Auf dieses Schreiben hin, erhielt die Johannesgemeinde ein Antwortschreiben des zuständigen Referenten mit dem Hinweis, dass unsere Anfrage in die weiteren Beratungen der Kirche einfließen werde. 

 

Rat der EKD
Vorsitzender
Dr. Nikolaus Schneider
Herrenhäuser Straße 12
30419 Hannover

Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken

Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,

im Nachgang zur bisherigen öffentlichen Diskussion zur EKD Orientierungshilfe „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“, möchten wir uns in einem persönlichen Brief an Sie, an der Meinungsbildung zum Umgang mit dieser Orientierungshilfe beteiligen.  Wir tun dies im Auftrag des Kirchenvorstands der Evangelischen Johannesgemeinde Gießen, der sich in seiner Vorstandsarbeit mit diesem Thema beschäftigt hat.

Auch wenn alle Argumente für Pro und Contra zur Orientierungshilfe ausgetauscht sind, und wir hier keinen wesentlich neuen Beitrag leisten können, bleibt uns ein zentraler Punkt der Bewertung wichtig: Der Kirchenvorstand der Johannesgemeinde Gießen bittet den Rat der Evangelischen Kirche darum, die theologische Begründung der Orientierungshilfe „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ zu überarbeiten und hierbei insbesondere den biblischen Wert der – auch  im Grundgesetzt geschützten – Ehe noch deutlich zu formulieren und zu begründen. Dies vermissen wir aktuell sehr.

Weiterhin ist es uns wichtig zu betonen, dass unsere Positionierung zur Ehe keine Relativierung der Situationsbeschreibung der EKD Orientierungshilfe zur Familie bedeutet. Im Gegenteil. Auch wir registrieren die Vielfalt unterschiedlicher Lebensformen und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen in unserer Gesellschaft. Hier leistet die EKD Orientierungshilfe eine wichtige soziologische Analyse. 

Von daher ergibt sich ein zweites Anliegen des Kirchenvorstands der Evangelischen Johannesgemeinde Gießen: Wir bitten den Rat der EKD darum, Wege einer diakonischen Familien- und Lebenshilfe zu unterstützen, welche die Kraft des Evangeliums in Verkündigung und Seelsorge auf diesem Wege integrieren. Denn wir sind davon überzeugt, dass die zeitlosen christlichen Werte wie Nächstenliebe, Treue, Vergebung und Versöhnung und andere, auch Antworten auf zeitgeschichtliche Herausforderungen – wie die in der Orientierungshilfe beschriebenen – geben können.

 Mit geschwisterlichen Gruß

 Gottfried Cramer  /  Pfr. Michael Paul